
Thomas Rothmayer wird am 1. Mai neuer Bürgermeister von Kolbermoor und löst Peter Kloo nach 24 Jahren ab. Der 41-jährige Leiter des Ordnungsamtes begann seine Karriere in der Verwaltung einst nur als „zweite Wahl“ für eine freie Stelle in der Kassenabteilung.
Kolbermoor – Es ist ein Aufstieg im doppelten Sinne: Thomas Rothmayer (41) wird zum Monatswechsel nicht nur sein Büro im Erdgeschoss des Kolbermoorer Rathauses räumen und in den vierten Stock ziehen, sondern auch vom Abteilungsleiter zum Chef der Verwaltung aufsteigen: Denn der 41-Jährige, Kandidat der Parteifreien Kolbermoor, wurde bei der Stichwahl am 22. März zum neuen Bürgermeister der Stadt gewählt. Er wird damit am 1. Mai Peter Kloo (SPD) beerben, der dieses Amt 24 Jahre innehatte. „Angst davor habe ich nicht“, sagt der Kolbermoorer. „Aber Respekt vor der vielseitigen Aufgabe, bei der es gilt, auch gesellschaftlichen Veränderungen gerecht zu werden.“
Als „zweite Wahl“
in die Stadtverwaltung
Dabei war Rothmayer, der seit 2020 das Ordnungsamt der Stadt leitet, erst über Umwege in die Kommunalverwaltung gekommen. Aufgewachsen in Kolbermoor, hatte Rothmayer nach seiner Mittleren Reife zunächst eine Karriere im Bankenwesen angestrebt. „Die Lehre zum Bankkaufmann war wirklich gut“, sagt der künftige Rathauschef. Allerdings hatte er während seiner Ausbildung das Gefühl bekommen, dass das Bankgeschäft „nicht immer ein ehrliches Geschäft“ ist.
So entschied sich Rothmayer nach seiner Ausbildung dazu, der Finanzbranche den Rücken zu kehren und zunächst seinen Wehrdienst abzuleisten. Da er allerdings ausgemustert wurde, war plötzlich ein Plan B vonnöten. So schlug er sich zunächst rund ein halbes Jahr als Hilfsarbeiter im Straßenbau durch, bewarb sich aber in dieser Zeit auf eine ausgeschriebene Stelle in der Kassenabteilung der Kolbermoorer Stadtverwaltung.
Doch auch dort hatte der FC-Bayern-Fan („Der FC Bayern ist für mich kein Hobby, sondern eine Leidenschaft“) zunächst kein Glück. Die Stelle wurde anderweitig vergeben, doch diese geschäftliche Liaison hielt nicht lange. Weshalb Rothmayer schließlich doch noch von seiner Heimatstadt eingestellt wurde. „Ich bin sozusagen nachgerutscht und zweite Wahl“, sagt der heute 41-Jährige und lacht.
Doch auch wenn er nur als „zweite Wahl“ für diese Stelle auserkoren worden ist: Ab diesem Zeitpunkt ging die Verwaltungskarriere für den jungen Kolbermoorer durchaus erstklassig weiter. So konnte er zunächst die verkürzte Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten durchlaufen, später dann – mittlerweile als Mitarbeiter des Meldeamtes – die Weiterbildung zum Verwaltungsfachwirt draufsatteln. Zum Jahreswechsel 2019/2020 stieg Rothmayer dann zum Leiter des städtischen Ordnungsamtes auf, nachdem sich der bisherige Amtschef Albert Paukert in den Ruhestand verabschiedet hatte.
Doch die letzten Tage als Leiter des Ordnungsamtes sind nun gezählt. Aktuell ist Rothmayer vor allem damit beschäftigt, die Übergabe an seine Nachfolgerin Daniela Leurich vorzubereiten. „Sie kommt aus dem Kolbermoorer Standesamt und ist ja bereits meine jetzige Vertretung“, sagt der scheidende Amtsleiter, der seiner designierten Nachfolgerin daher auch nicht viel erklären muss. So bleibt für den künftigen Rathausschef mehr Zeit, dem amtierenden Bürgermeister Kloo über die Schulter zu schauen.
Kein Wunder also, dass Rothmayer bereits jetzt immer wieder in seinem künftigen Büro im vierten Obergeschoss des Rathauses anzutreffen ist. Viele Veränderungen in seinem neuen Domizil schweben dem 41-Jährigen nicht vor. Selbstverständlich werden die Familienfotos, die seine Frau Diane (Rothmayer: „Sie ist mein großer Rückhalt“) sowie seinen siebenjährigen Sohn zeigen und derzeit das Büro im Erdgeschoss „aufhübschen“, in Zukunft nun den Schreibtisch im vierten Stock schmücken. Wobei der Schreibtisch selbst der einzige „Luxus“ ist, den sich Rothmayer leisten will – und auch nur, weil es ihm seitens der Verwaltung angeboten worden ist. „Ich werde einen höhenverstellbaren Schreibtisch bekommen“, verrät Rothmayer, der findet: „Wir sind in puncto Ausstattung in der Verwaltung sehr gut aufgestellt.“
Arbeit, die Rothmayer dann sitzend und stehend verrichten kann, wird es für den jungen Bürgermeister genug geben. Sorge davor, dass das Familienleben dadurch komplett auf der Strecke bleiben könnte, hat er nicht. „Die Zeit mit der Familie ist mir immens wichtig“, sagt Rothmayer, der künftig seinen Tag anders als bisher planen wird. So hofft der 41-Jährige, „dass ich mittags leichter mal meinen Sohn von der Schule abholen und mit ihm dann Hausaufgaben machen kann, weil viele Termine abends stattfinden werden“. Auch an Wochenendausflügen mit der Familie will Rothmayer festhalten, wenngleich ihm klar ist: „Jedes Wochenende wird das natürlich nicht möglich sein.“
Kürzer treten wird er hingegen bei seinen eigenen Hobbys, beispielsweise beim Tennisspielen: „Diese Dinge werde ich künftig hinten anstellen“, sagt der 41-Jährige, der sich selbst als „Frühaufsteher“ bezeichnet und kein Problem damit hat, „bereits um 6 Uhr ins Fitnessstudio zu gehen“, um sich fit zu halten. Seinen zahlreichen Vereinen, in denen er Mitglied ist, wird er ebenfalls treu bleiben. Auch wenn es wahrscheinlich ist, dass er seinen Vereinskameraden künftig bei Vereinsveranstaltungen in erster Linie als Stadtrepräsentant gegenübertreten wird.
Wobei das Repräsentieren auch seine erste Amtshandlung als neuer erster Mann der Stadt sein wird: Bereits am 1. Mai, seinem ersten Tag als neuer Bürgermeister, wird er einen Kirchenchor aus dem italienischen Reggello empfangen, der seit Langem freundschaftliche Verbindungen nach Kolbermoor pflegt. „Das sind bestimmt die angenehmeren Termine dieses Jobs“, ist Rothmayer, für den es am 3. Mai dann mit dem Maibaumfest der Trachtenvereine vor dem Alten Rathaus weitergeht, sicher.
Seinen ersten „richtigen“ Arbeitstag am Montag, 4. Mai, wird der neue Bürgermeister hauptsächlich im Rathaus verbringen. „Ich kenne die Menschen dort natürlich alle bereits sehr gut“, sagt Rothmayer. Dennoch sei es ihm wichtig, den Abteilungen zuzuhören und etwaige Anregungen und Wünsche einzufangen, die er in seiner bisherigen Funktion vielleicht nicht mitbekommen habe. Dass es Probleme geben könnte, weil er künftig bisherigen Kollegen vorgesetzt sei, glaubt der 41-Jährige indes nicht, zumal er diese Erfahrung schon einmal durchlaufen hatte: „Der Charakter hier in der Verwaltung ist so gut, dass ich überzeugt bin, dass damit alle gut klarkommen werden.“
Besuch in den Abteilungen
am ersten Tag
So scheint derzeit die größte Gefahr zum Amtsantritt des Kloo-Nachfolgers zu sein, dass er am 4. Mai aus Versehen zunächst sein altes Büro im Erdgeschoss ansteuert. Seine Mitarbeiter werden ihn dann sicherlich daran erinnern, dass sich sein Büro ab sofort im vierten Stock des Rathauses befindet. Wobei er bei seinen ehemaligen Kollegen im Erdgeschoss dennoch immer wieder gerne vorbeischauen wird, denn: „Würde ich jetzt einen komplett anderen Job machen und das Rathaus verlassen, würde mir der Abschied aufgrund dieser Kolleginnen und Kollegen schon sehr, sehr schwerfallen.“
