Kolbermoor – Als gegen 19.45 Uhr das vorläufige amtliche Endergebnis zur Bürgermeisterwahl über den Bildschirm im Sitzungssaal des Kolbermoorer Rathauses flimmerte, stand fest, dass die Entscheidung über einen neuen Bürgermeister für Kolbermoor erst am Sonntag, 22. März, fallen wird. Denn keiner der fünf Kandidaten konnte sich am Sonntag, 8. März, die absolute Mehrheit sichern.
In der Stichwahl in zwei Wochen werden Thomas Rothmayer (Parteifreie Kolbermoor) und Leonhard Sedlbauer (CSU), die von den Wählern die meisten Stimmen bekommen hatten, gegeneinander antreten. Wobei sich vor allem das Rennen um Platz 2 zum echten Krimi entwickelte.
Nachfolger von Peter Kloo weiterhin gesucht
Der amtierende Bürgermeister Peter Kloo (SPD), der 24 Jahre an der Spitze der Stadt stand und sich am 30. April in den Ruhestand verabschiedet, zeigte sich rund 15 Minuten vor der Schließung der Wahllokale um 18 Uhr völlig entspannt. „Es ist ein richtig gutes Gefühl“, verspürt der 63-Jährige bislang keinerlei Abschiedsschmerzen. „Ich bin total gespannt und neugierig, wie diese Wahl ausgehen wird“, erklärte Kloo, der die Wahlleitung für diesen Abend übernommen hatte.
„Ich bin überhaupt
nicht aufgeregt“
Als erster Bürgermeisterkandidat war gegen 17.45 Uhr Thomas Rothmayer (Parteifreie Kolbermoor) mit seiner Ehefrau Diane im Kolbermoorer Rathaus eingetroffen. „Ich bin überhaupt nicht aufgeregt“, sagte der 41-Jährige, dessen Arbeitsplatz so und so zukünftig das Kolbermoorer Rathaus sein wird, nachdem er dort aktuell als Leiter des Ordnungsamtes beschäftigt ist. Leonhard Sedlbauer (28), Kandidat der CSU und 2020 ebenfalls Kandidat der Christsozialen, sprach von einer „gesunden Portion Aufregung“, als er Punkt 18 Uhr den Sitzungssaal betrat.
Nur wenig später folgen Linken-Kandidatin Johanna Bössl (34) und SPD-Bewerber Christian Morgenroth (50), deren Aufregung sich nach deren Angaben ebenfalls in Grenzen hielt. „Ich bin einfach auf die Ergebnisse gespannt“, beschrieb beispielsweise Bössl ihre Gefühlslage.
AfD-Kandidat Christian Demmel hatte die Zwischenergebnisse zunächst aus dem Landratsamt in Rosenheim mitverfolgt, war dann aber pünktlich im Rathaus erschienen, um das Endergebnis in Augenschein zu nehmen. Als gegen 18.25 Uhr die ersten Ergebnisse eintrudelten, war klar: Der zweite Platz in der Stichwahl sollte bis zum Ende hart umkämpft bleiben. Während Rothmayer bei jeder Aktualisierung der Zahlen stets mit einem komfortablen Vorsprung von um die 20 Prozent aufwarten konnte, lieferten sich Morgenroth und Sedlbauer ein enges Rennen. So schob sich mal der eine, mal der andere auf den zweiten Platz, der zur Stichwahl berechtigt.
Auch AfD-Vertreter Demmel hatte kurzzeitig nur weniger als ein Prozent Abstand zu den beiden Kandidaten von SPD und CSU, wobei die Lücke mit Fortschreiten des Abends immer größer wurde.
Gegen 19.45 Uhr waren dann alle 36 Stimmbezirke ausgezählt. Das vorläufige amtliche Endergebnis: Thomas Rothmayer sicherte sich mit 40,8 Prozent (3623 Stimmen) deutlich den ersten Platz. In der Stichwahl wartet auf ihn dann Leonhard Sedlbauer, der sich mit 20,6 Prozent (1828 Stimmen) knapp den zweiten Platz sichern konnte.
Mit 1768 die drittmeisten Stimmen sicherte sich Christian Morgenroth (19,9 Prozent) vor dem Viertplatzierten Christian Demmel (13,6 Prozent, 1206 Stimmen) und Johanna Bössl (5,0 Prozent, 445 Stimmen). „Ich habe aufgrund der Qualität der Mitbewerber mit einer Stichwahl gerechnet“, zeigte sich der Sieger des ersten Wahldurchgangs, Thomas Rothmayer, mit dem Ergebnis mehr als zufrieden. „Mit diesem Abstand hätte ich aber nicht gerechnet.“ Für ihn heißt es nach eigenen Angaben nun „zwei Wochen Vollgas geben“, um auch nach der Stichwahl als Wahlsieger, und damit als Kolbermoors neuer Bürgermeister, festzustehen.
„Das war nichts
für schwache Nerven“
Auch der Zweitplatzierte Sedlbauer will „mit Vollgas“ in die kommenden zwei Wochen gehen, um nun nach seiner Kandidatur 2020 doch noch im zweiten Anlauf das Amt des Rathauschefs zu ergattern. Wobei ihn die Auszählung durchaus mitgenommen hatte. „Das war nichts für schwache Nerven“, sagte der 28-Jährige, der sich erst spät auf den zweiten Platz geschoben hatte.
Den hatte lange Zeit Christian Morgenroth inne, der sich „enttäuscht“ zeigte, so knapp die Stichwahl verpasst zu haben. „Dafür, dass ich so spät in den Wahlkampf eingestiegen bin, bin ich mit dem Ergebnis nicht unzufrieden“, so der 50-Jährige. „Ich habe mir aber natürlich schon erhofft, in die Stichwahl zu kommen.“
AfD-Kandidat unzufrieden, Linken-Kandidatin nicht
Unzufrieden mit seinem Ergebnis war Christian Demmel (AfD). „Ein paar Prozentpunkte mehr hatte ich mir schon erhofft“, so der AfD-Kandidat, der zumindest „gerne auf dem dritten Platz gelandet“ wäre. Johanna Bössl (Linke), die mit 5,0 Prozent auf dem fünften Platz landete, zeigte sich hingegen mit ihrem Stimmenanteil zufrieden.
„Ich finde, das ist ein stabiles Ergebnis, mit dem ich auch so ungefähr gerechnet habe“, so die 34-Jährige, die dennoch hofft, zukünftig in der Kolbermoorer Politik mitmischen zu können. „Ich hoffe, dass es mit dem Einzug in den Stadtrat klappt.“ Die Wahlbeteiligung lag mit 61,9 Prozent um 8,8 Prozent höher, als noch vor sechs Jahren.

