Die Kommunalwahl in Kolbermoor hat die Machtverhältnisse im Stadtrat verschoben. Während die Parteifreien und die AfD Sitze dazugewinnen und die Linke erstmals einzieht, müssen SPD und Grüne Verluste hinnehmen. Die CSU bleibt stabil. Die SPD verliert neben zwei Sitzen auch das Bürgermeisteramt.
von Mathias Weinzierl
Kolbermoor – Aderlass bei der SPD in Kolbermoor: Nachdem am frühen Sonntagabend bereits festgestanden hatte, dass die Sozialdemokraten das Bürgermeisteramt nicht verteidigen können, gehen sie auch aus der Stadtratswahl als klarer Verlierer hervor: Statt bislang sechs werden nur noch vier Sozialdemokraten im neuen Stadtrat vertreten sein. Die CSU hält sich mit sechs Sitzen stabil, die Parteifreien Kolbermoor können sogar einen Sitz dazugewinnen und ziehen mit der CSU gleich. Gleich zwei Sitze mehr sichert sich die AfD, die zukünftig mit vier Mitgliedern im Stadtrat vertreten ist, während die Grünen-Fraktion von bislang vier auf drei Sitze schrumpft. Zudem zieht erstmals eine Linken-Vertreterin in den Stadtrat ein.
Dieter Kannengießer holt
die meisten Stimmen
Klarer Wahlsieger der Stadtratswahl in Kolbermoor: die Parteifreien, die nicht nur mit Bürgermeisterkandidat Thomas Rothmayer, der am 22. März in die Stichwahl geht, ein heißes Eisen um den Posten des Rathauschefs im Feuer haben, sondern auch in puncto Stadtratswahl letztlich das Maß aller Dinge sind. So holten die Parteifreien mit 26,7 Prozent die meisten Stimmen aller Parteien und konnten im Vergleich zu 2020 um satte 6,7 Prozent zulegen. Die Folge: Statt mit bislang fünf werden die Parteifreien künftig mit sechs Sitzen im Stadtrat vertreten sein.
„Es hätte ja beinahe sogar für einen siebten Sitz gereicht“, kommentiert Dieter Kannegießer von den Parteifreien hörbar zufrieden das Ergebnis der Stadtratswahl. „Letztlich sind wir die stärkste Kraft, haben sogar rund 3.000 Stimmen mehr, als die CSU geholt.“ Besonders freut sich der 68-Jährige über sein eigenes Ergebnis. Denn mit einem Zuspruch von 4.454 Stimmen hat er die meisten Stimmen aller Kandidaten geholt. „Das hat mich schon sehr gefreut. Scheinbar gibt es ein gutes Vertrauensverhältnis meiner Person gegenüber.“ Kannegießer stellte gegenüber dem OVB aber auch klar, dass es nun für die Parteifreien-Stadträte darum gehe, „dem Ergebnis auch gerecht zu werden“.
Zufrieden mit dem Ergebnis seiner Partei zeigte sich auch Fabian Artmann, Vorsitzender der Kolbermoorer CSU, der mit 27 Jahren künftig jüngstes Mitglied im Stadtrat sein wird. „Wir haben uns in puncto Sitze im Vergleich zu 2020 mit sechs Stadträten stabil gehalten“, bewertete Artmann das Ergebnis. Auch wenn bei den Prozentpunkten mit 25,4 Prozent ein Minus von 2,6 Prozent im Vergleich zur Wahl von vor sechs Jahren steht. Und die CSU letztlich einen Sitz verloren hat, nachdem Stefan Schlarb 2020 für die FDP angetreten und in den Stadtrat gewählt worden war, später sich aber der CSU anschloss. Dennoch sieht Artmann die CSU-Fraktion mit einer Mischung aus bewährten Kräften, aber mit ihm als Erstling, der „eine neue Perspektive reinbringt“, gut aufgestellt.
Wunden lecken heißt es dagegen bei der SPD, die 15,7 Prozent der Stimmen holte (2020: 23,9 Prozent) – auch wenn Vorsitzender Stefan Derk (60) davon spricht, „mit einem blauen Auge davongekommen“ zu sein. Die Stadtratsfraktion, die bisher sechs Sitze im Stadtrat hatte, wird künftig mit nur vier Sitzen auskommen müssen. „Dass wir einen Sitz verlieren, war aufgrund des Antretens der Linken in unseren Berechnungen schon drin“, sagt Derk gegenüber dem OVB. „Wir hätten uns natürlich fünf Sitze gewünscht, sind aber dennoch nicht total enttäuscht.“ Schließlich habe vor sechs Jahren auch Peter Kloo, der neben seiner Kandidatur als Bürgermeister auf der Stadtratsliste kandidiert hatte, „viele Stimmen angezogen“. Derk: „Dennoch müssen wir für die Zukunft schauen, wie wir die Erfolge, die die SPD in den vergangenen Jahren mit Bürgermeister und Stadtratsfraktion errungen hat, nach außen transportieren können.“
Im Minusbereich rangieren auch die Kolbermoorer Grünen, die künftig drei statt bislang vier Stadträte stellen werden. 11,6 Prozent der Stimmen konnten die Grünen hinter sich scharen, was letztlich ein Minus von satten 5,6 Prozent im Vergleich zu 2020 ausmacht. „Das ist schon bitter“, kommentierte daher die bisherige Fraktionsvorsitzende Caroline Schwägerl den Stimmen- und Sitzverlust. „Letztlich sind wir froh, dass wir zumindest drei Grüne im Rat haben.“ Daher sei man auch „mit einem blauen Auge davongekommen“. Doch die 65-Jährige kann auch positive Aspekte aus dem Votum ziehen: Denn neben ihr sitzen zukünftig zwei junge Grüne im Stadtrat. „Ich finde es sehr schön, wenn sich die Jungen so engagieren“, sagt Schwägerl, deren Neffe Korbinian Schwägerl ebenfalls den Einzug geschafft hat.
Eine detaillierte Bewertung zum Ergebnis seiner AfD will Kolbermoors AfD-Vorsitzender Christian Demmel noch nicht abgeben. „Wir werden das Ergebnis noch ausführlich analysieren und uns darüber Gedanken machen“, sagt der 59-Jährige, der sich in einer ersten Bewertung aber „zufrieden“ zeigte. Hat die AfD doch ihre Sitzanzahl im neuen Stadtrat von zwei auf vier verdoppelt. „Damit haben wir aber auch gerechnet“, so der AfD-Vorsitzende, der sich besonders darüber freut, „dass wir jetzt Fraktionsstärke haben und damit auch in Ausschüssen vertreten sein werden“. Als „Anerkennung“ und „Achtungserfolg“ sieht Demmel sein persönliches Abschneiden. Hatte er doch das fünftbeste Ergebnis aller Kandidaten eingefahren. Auch wenn „ich natürlich durch den Listenplatz 1 von den AfD-Stimmen profitiert habe“. Insgesamt konnte die AfD ihren Stimmenanteil von 8,5 Prozent im Jahr 2020 auf nun 16,1 Prozent fast verdoppeln.
Linke ist erstmals
im Stadtrat vertreten
Erstmals im neuen Stadtrat vertreten sein wird die Linke. Johanna Bössl, die auch für das Amt der Bürgermeisterin kandidiert hatte, ist für die Linke, die insgesamt 4,4 Prozent der Stimmen bekommen hatte, in den Stadtrat gewählt worden. „Das ist ein superguter Erfolg für uns“, freut sich Linken-Co-Kreisvorsitzende Maria Boberschmidt über den Premieren-Einzug in den Kolbermoorer Stadtrat. Darüber, dass sie es als Listen-Anführerin nicht ins Gremium geschafft hat, sei sie „überhaupt nicht enttäuscht“. Wichtig sei nun, Zugang zu den Entscheidungen zu haben. „Kolbermoor hat im Vergleich zu anderen Städten ja ein nicht so zugängliches Ratsinformationssystem, das es auch den Bürgern ermöglicht, genaue Einblicke in die Entscheidungen zu bekommen“, sagt Boberschmidt. „Das ist eines der Dinge, die wir ändern wollen.“
